10 Punkte Plan zur Rettung von Bienen und Insekten

Bienenrevolution (c) salzundhonig Silke MeyerWissenschaftliche Studien belegen den Rückgang von mehr als 75 Prozent der gesamten Biomasse

flugaktiver Insekten in geschützten Gebieten während 27 Jahren!*1 Wildbienen und anderen Insekten verschwinden. Dem Schwund der Insekten folgt ein Weniger an Vögeln, ein Weniger an Kleintieren usw… (siehe Infografik) Aktuell findet ein Ökozid durch die Praktiken der Industriellen Land­wirtschaft statt, welche der wichtigste Faktor für das Artensterben in Europa, aber auch weltweit ist. Deren Dynamik: bei schnellen Erntegewinnen wird auf kurze Sicht gefahren. Die langfristigen Konsequenzen werden immer wieder ausgeblendet und kleingeredet. Weltweit ist von Insektensterben die Rede. Höchste Zeit zum Umdenken und Handeln. Es braucht Entscheidungen in Politik und Unternehmen und um die Kräfte zu bündeln: Jeder Einzelne kann diese Veränderungen einleiten und unterstützen.

Damit wir auch in Zukunft ein Summen und Zwitschern hören – Zeit für noch mehr Öko, Bio und Permakultur!

Am Ende entscheiden wir als Gesellschaft, in welcher Welt wir leben wollen: In einer ausgeräumten Landschaft oder in einem bunten, lebendigen Ökosystem.

Hier ein paar Ideen für die Vielfalt – im Alltag und zu besonderen Anlässen:

WAS KANN ICH SELBST GEGEN DAS INSEKTENSTERBEN TUN?

1 – WÄHLE HONIG AUS DEINER REGION.

In Deutschland wird viel Honig verzehrt, pro Kopf 1kg jährlich. Für unseren Honigkonsum stammt fast 80% aus Importen. Honige aus dem Supermarkt sind häufig Mischungen mit Honigen aus Nicht-EU-Ländern, die meisten davon kommen aus Südamerika – u.a. aus Ländern, in denen gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, wo Bienen mit Medikamenten und Antibiotika behandelt werden und der Einsatz von Pestiziden erlaubt ist. Neben der Umweltbelastung durch die langen Transportwege können auch Bienenkrankheiten nach Deutschland eingeschleppt werden.
Es ist daher sinnvoll, Honig aus Deiner Region direkt vom Imker zu bevorzugen, z.B. zertifizierter Honig in DIB Gläsern (Deutscher Imker Bund), im Idealfall aus biologischer und wesensgemäßer Bienenhaltung. Demeter hat auch bei der Bienenhaltung die strengsten Richtlinien, die den Bedürfnissen der Bienen am weitesten entgegen kommen.
Weitere Informationen hier im Artikel von BieneMenschNatur “Alles Bio-Honig oder was?

2 – KAUFE BIO-LEBENSMITTEL.

Kaufe mehr Bio, esse weniger Fleisch. Insekten fühlen sich auf Biohöfen wohler, als auf den Äckern der “konventionellen Bauern”. Denn dort werden Insekten, Pilze und Unkräuter mit der Giftspritze verfolgt. Biohöfe sind im Vergleich dazu wahre Paradiese für Honigbienen, Wildbienen und alle anderen Insekten. Jeder Einkauf ist wie ein Gang zur Wahlurne – Wir haben die Wahl und nehmen unser Recht und die Verantwortung als Bürger wahr: Saisonale Lebensmittel aus regionaler ökologischer Landwirtschaft sind besser, da u.a. auf bienenschädliche Pestizide und Neonikotinoide verzichtet wird, und ohne Transport Energie und Abgase reduziert werden. (bevorzugt von den strengeren Zertifizierern wie Demeter, Bioland, Naturland, Gäa). Bauernmärkte, Hofläden und andere direkte Vermarktungsmöglichkeiten nutzen, den Kontakt zu den Erzeugern suchen und sich über die Herstellung informieren. Qualität, Tierwohl und Fairness sind ihren Preis wert. Die Mehrkosten können durch weniger Fleisch, Fertigprodukte und Zuckerwaren wettgemacht werden.

Milchprodukte und Käse aus Heumilch kaufen.

Heu- und Weidemilch kommt von Kühen, für deren Ernährung artenreiche Wiesen stehengelassen werden – die Insekten dringend brauchen. Konventionelle Milch kommt von Kühen, die überwiegend mit Silage gefüttert werden. Wo früher noch bunte Blumenwiesen wachsen konnten, weil die Wiesen beweidet wurden oder nur Grünschnitt und ein zweimaliger Heuschnitt erfolgten, werden Weiden heute bis zu 10 mal nacheinander gemäht, weil das Gras kurz vor der Blüte am eiweißreichsten ist. Die Folge ist, dass für Insekten und Bienen keine Blüten mehr zur Verfügung stehen. Heumilch ist zudem gesünder, hat im Vergleich zur Silomilch viel weniger Keime und etwa die doppelte Menge an Omega-3 Fettsäuren.

Bio-Mehl & Bio-Bier kaufen.

Für deren Produktion wurden keine Pestizide verwendet. Konventionell bewirtschaftete Getreideäcker werden sehr häufig kurz vor der Ernte mit Glyphosat abgespritzt, um das Korn technisch in kurzer Zeit trocken und damit ‚reif’ werden zu lassen. Bienen befliegen solche Flächen weiter, bis die Blüten von Kornblumen abgestorben sind und tragen so Glyphosat in die Stöcke.

3 – FRAGEN, FRAGEN, FRAGEN.

Sich für eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft einzusetzen, beginnt schon bei den ersten Fragen am Tresen oder Marktstand, wo das Essen herkommt. Frage Landwirte, Politiker und Imker, in Supermärkten oder in der Gastronomie. Erkundige Dich nach Qualität, Herstellung und Verarbeitung der Lebensmittel und mach klar, dass Dir viel an einer ökologischen und ethisch vertretbaren Tierhaltung und nachhaltigen Lebensmittelproduktion liegt. Du kannst in der örtlichen Gastronomie oder Kantine darauf hinwirken, dass vermehrt regionale und ökologisch produzierte Lebensmittel verwendet werden.

4 – VERZICHTE AUF INSEKTIZIDE IN HAUS UND GARTEN.

Unterlasse den Einsatz von bienenschädlichen Pflanzenschutz-, Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln, also Insektizide, Fungizide und Herbizide in Deinem Haus und Garten, auch wenn diese als „bienenungefährlich“ gekennzeichnet sind. Wie z.B. Glyphosat – das meistverkaufte Pflanzengift der Welt – beeinträchtigt das Orientierungsverhalten der Bienen und führt zu Brutschäden. Zudem bestehen bei Menschen und Tieren Zusammenhänge zwischen Glyphosat und Fehlbildungen/-geburten und nicht zuletzt hat Glyphosat hohe negative Auswirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit und das Bodenleben.*2
Manche Geschäfte verkaufen noch diese Produkte, bei welchen Verzicht und Boykott empfohlen ist: Roundup von Monsanto (Wirkstoff: Glyphosat – Totalherbizid), Calypso und Lizetan von Bayer (Wirkstoff: Thiacloprid aus der Klasse der Neonikotinoide), Careo Schädlingsfrei von Celaflor (Acetamiprid aus der Klasse der Neonikotinoide), Bi 58 von COMPO (Wirkstoff: Dimethoat).
Es gibt genügend natürliche Alternativen, die gut wirken. Zum Beispiel der Einsatz von „Nützlingen“, was viele andere Insekten schont. Praktische Tipps unter www.bio-gaertner.de 

5 – VERMEHRE INSEKTENFREUNDLICHE PFLANZEN.

Schaffe Oasen für Wild- und Honigbienen, Schmetterlinge und Hummeln indem du bienenfreundliche Pflanzen im Balkonkasten ansiedelst, Obstbäume im Garten oder wildwachsende Pflanzen bestehen lässt. Eine Wildblumenwiese statt englischem Rasen, der Straßenbaum vor Deinem Fenster, der blühende Mittelstreifen in deiner Straße, Pflanzen mit ungefüllten, statt gefüllten Blüten – lieber Astern, und Phacelia (Bienenfreund) statt Geranien. Welche Pflanzen Bienenweiden sind, findest du zum Beispiel hier auf unserer Website in der Rubrik Blühendes Berlin oder viele Tipps bei dieser Initiative: www.bluehende-landschaft.de

6 – BIETE NISTMÖGLICHKEITEN FÜR INSEKTEN.

Beinahe jede zehnte Wildbienenart ist vom Aussterben bedroht. 300 der heimischen 560 Wildbienenarten stehen auf der „Roten Liste”. Mit ganz einfachen Mitteln kannst Du Nistmöglichkeiten für Wildbienen bauen und diese ansiedeln. Viele fertig zu kaufende Insektenhotels sehen eher schick aus, als dass sie wirklich attraktiv für die Besiedlung wären – es lohnt sich, vorher die Grundlagen zu lesen, zum Beispiel hier: www.wildbienen.info 

7 – WERDE IMKER.

Wenn Du mehr über Bienen erfahren möchtest und mit dem Gedanken spielst, selbst Bienen zu halten, wäre der Zeitpunkt gekommen, einen Imkerkurs zu machen. Erstes Kennenlernen, was es alles dafür braucht, ob Baumstamm oder Holzkiste, Standort in der Stadt oder auf dem Land… Auf das Wohl seiner Völker zu achten wirkt sich automatisch auf die Natürlichkeit der Umgebung aus und trägt zu einem lebendigen Ökosystem bei.
Für Imkerkurse kannst Du uns gerne ansprechen, weitere findest Du deutschlandweit im Mellifera Verbund .

8 – WERDE BIENENPATE.

Selbstverständlich kannst Du bei uns im Verein Bienenpate werden, weitere Informationen findest Du hier: Bienenpate oder Sponsor werden.

Alternativ kannst Du mit einer Bienen-Patenschaft bei Mellifera deren imkerliche und die agrar- und bildungspolitische Arbeit unterstützen. Mehr Info unter  www.mellifera.de/beegood

9 – UNTERSCHREIBE PETITIONEN UND WERDE AKTIV.

Nehme Deine Verbraucher- und Bürgerrechte wahr, gebe deine Stimme auf dem Wahlzettel und unterschreibe die Petitionen zum Thema.
Unterstütze Organisationen, die auf agrarpolitischer und naturschutzpolitischer Ebene für die Lebensgrundlagen von Insekten und Bienen kämpfen. Mellifera, Stiftung Aurelia – Es lebe die Biene (die Prozesse vor dem EUGH führen), NABU, BUND, campact, change.org, Umweltinstitut München, Umweltspäher und viele weitere.
Oder welche Aktion kann Deine Idee in die Welt setzen? Oben genannte Initiativen geben KnowHow und Hilfestellungen für Vorhaben. Sich für einen politischen Wandel einsetzen, beispielsweise durch die direkte Ansprache lokaler Politiker oder Bundestagsabgeordneter. (wie hier z.B. zur BUND Initiative “Pestizidfreie Kommune“)
Oder durch Teilnahme an Protestveranstaltungen – wie der jährlich in Berlin stattfindenden Demo „Wir haben es satt!“. 

10 – WERDE MITGLIED IN UNSEREM VEREIN.

Der Imkerverein Uelsen und Umgebung e.V. verfolgt unter anderen diese Ziele: Verbesserung der Bienenweide, Bekämpfung von Bienenkrankheiten und Pflege der Bienenzucht sowie fachliche Ausbildung der Imker. Unterstütze uns mit Deiner Mitgliedschaft, hier gibt es das Antragsformular zum Download.

 

Bildnachweis: Bienenrevolution (c) salzundhonig Silke Meyer

QUELLEN:

1) Wissenschaftliche Langzeitstudie, durchgeführt an über 60 Standorten in Deutschlands, allesamt Naturschutzgebiete: PLOS ONE, Hallmann CA, Sorg M, Jongejans E, et al. 2017, & Entymologischen Verein Krefeld, Studie 1989-2016, (en)
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809
Auswertung dieser Studie in einem Artikel des NABU (dt): www.nabu.de/news/2017/10/23291.html

2) Albert Schweitzer Stiftung: “Glyphosat: Auswirkungen auf die Natur”
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/glyphosat-auswirkungen